Victron-Speicher mit dynamischem Stromtarif: was es wirklich spart
· VictronLab
Dynamische Tarife wie Tibber oder aWATTar versprechen günstigen Strom in den richtigen Stunden. Wir haben nachgerechnet, wie viel davon bei einem Haus mit Victron-Speicher tatsächlich ankommt.
So haben wir gerechnet
Grundlage sind die echten Stundenwerte eines Jahres (2025) aus dem Victron-Portal VRM: Verbrauch, PV-Erzeugung, Netzbezug und Einspeisung. Dazu kommen die Day-Ahead-Börsenpreise für Deutschland (EPEX, Gebotszone DE-LU) für jede Stunde des Jahres.
Den Endkundenpreis eines dynamischen Tarifs haben wir als Börsenpreis plus 19 ct für Netzentgelte, Abgaben und Marge, zuzüglich 19 % Mehrwertsteuer angesetzt. Das ergibt im Jahresmittel rund 33 ct/kWh. Einspeisung ist mit 7,9 ct bewertet, in Stunden mit negativem Börsenpreis mit null.
Die Steuerung plant jede Stunde die nächsten 36 Stunden neu, mit Prognosen, die so falsch liegen wie im echten Betrieb: Verbrauch aus den letzten sieben Tagen, PV mit zufälligem Tagesfehler, Börsenpreise für den Folgetag erst ab etwa 13 Uhr bekannt. Verglichen wird mit einem normal eingestellten Victron ESS.
Das Ergebnis: rund 5 % der Stromkosten
Ein typisches Einfamilienhaus mit 11 MWh Jahresverbrauch (Haushalt, Wärmepumpe, E-Auto), 10 kWp PV und 15 kWh Speicher spart mit intelligenter Steuerung und dynamischem Tarif rund 100 € im Jahr. Ein großes Haus mit 39 MWh Verbrauch und 79 kWh Speicher spart rund 330 €.
Beides sind etwa 5 % der Stromkosten. Mit einem Festpreistarif spart die Speichersteuerung praktisch nichts: Ohne Preisunterschiede gibt es nichts zu verschieben, ein normal eingestelltes ESS macht dann schon das Richtige.
Warum der Speicher allein so wenig bringt
Der Börsenpreis schwankt am Tag oft um 10 bis 20 ct. Beim Endkunden ist aber ein großer Teil des Preises fest: Netzentgelte, Stromsteuer, Umlagen und Marge kommen auf jede Kilowattstunde gleich obendrauf. Die prozentuale Spanne ist dadurch viel kleiner, als die Börsenkurve vermuten lässt.
Dazu kommt der Wirkungsgrad: Jede Kilowattstunde, die durch den Speicher geht, verliert hin und zurück rund 10 %. Und an sonnigen Tagen ist der Speicher ohnehin mit Solarstrom gefüllt, da gibt es nichts günstig nachzuladen.
Wo das Geld wirklich liegt: das E-Auto
Den größten Teil der Ersparnis bringt das Laden des Autos. Wer abends um 18 Uhr ansteckt und sofort lädt, trifft die teuerste Stunde des Tages. Verschiebt die Steuerung die Ladung in die günstigsten Nachtstunden bis zur Abfahrt, sinken die Ladekosten in unserer Rechnung um etwa 7 %, bei 2.500 kWh im Jahr rund 65 €.
Die Wärmepumpe lässt sich ähnlich verschieben, wenn das Haus Wärme speichern kann, etwa in einer Fußbodenheizung oder einem Pufferspeicher.
Lohnt sich ein dynamischer Tarif für mich?
Ein dynamischer Tarif lohnt sich vor allem, wenn Sie flexible große Verbraucher haben: E-Auto, Wärmepumpe, und einen Speicher, der automatisch nach Preis gesteuert wird. Ohne Steuerung kann ein dynamischer Tarif sogar teurer sein als ein guter Festpreis, besonders im Winter, wenn die Wärmepumpe viel und die Börse teuer ist.
- Speicher allein mit Festpreis: kaum Ersparnis durch Steuerung.
- Dynamischer Tarif mit E-Auto und Wärmepumpe: rund 5 % der Stromkosten.
- Am meisten bringt es, das Auto in die günstigsten Nachtstunden zu legen.