Victron ESS richtig einstellen: die Einstellungen, die wirklich zählen
· VictronLab
Ein Victron ESS macht ohne Zusatzsoftware schon viel richtig. Einige Einstellungen werden aber oft missverstanden und kosten Geld. Das haben wir im eigenen Betrieb gelernt.
Netz-Sollwert (Grid setpoint)
Der Netz-Sollwert sagt dem ESS, wie viel Leistung es am Netzanschluss halten soll. Bei 0 W versucht das System, weder zu beziehen noch einzuspeisen: Überschuss lädt den Speicher, Defizite entlädt er. Ein kleiner positiver Wert, etwa 50 W, verhindert, dass bei schnellen Lastwechseln kurz Speicherstrom ins Netz fließt.
Wer den Speicher gezielt aus dem Netz laden will, etwa in einer günstigen Nachtstunde, setzt den Sollwert vorübergehend auf einen positiven Wert. Wichtig ist, ihn danach wieder zurückzunehmen. Eine Steuerung sollte dafür einen Watchdog haben, der bei Ausfall auf die Grundeinstellung zurückkehrt.
Minimaler Ladestand (Min SoC)
Der minimale Ladestand ist die Untergrenze, bis zu der das ESS den Speicher im Normalbetrieb entlädt. 10 bis 20 % sind üblich. Höher lohnt sich, wenn Sie Reserve für einen Netzausfall wollen, kostet aber nutzbare Kapazität.
Ein guter Kompromiss ist eine bewegliche Reserve: tagsüber, wenn Sonne kommt, darf der Speicher tiefer entladen; vor teuren Stunden oder schlechtem Wetter hält eine Steuerung mehr zurück.
Maximale Entladeleistung ist nicht die Einspeisegrenze
Die Einstellung für die maximale Wechselrichterleistung beim Entladen begrenzt, wie viel der Speicher an die Verbraucher abgibt. Sie ist keine Einspeisebegrenzung; dafür gibt es eigene Einstellungen. Wer die Entladeleistung zu niedrig setzt, bezieht bei hoher Last unnötig Strom aus dem Netz, obwohl der Speicher voll ist.
Der teure Fehler bei DC-gekoppelter PV
Hängen die Solarladeregler (MPPT) auf der Batterieseite, fließt der Solarstrom über den Wechselrichter zu den Verbrauchern. Victron zählt das als Entladung. Setzt man die Entladeleistung auf 0, um den Speicher zu schonen, blockiert man damit auch den Solarstrom: Das Haus bezieht dann aus dem Netz, während die Sonne nur den Speicher füllt.
Wir haben das in unserem eigenen System gesehen: 7,7 kW Netzbezug bei 5 kW Sonne. Die Lösung ist, die Entladegrenze nie unter die aktuelle PV-Leistung plus einen Puffer zu setzen.
Kurz zusammengefasst
- Netz-Sollwert im Normalbetrieb bei 0 bis 50 W.
- Min SoC passend zur gewünschten Notstromreserve, nicht höher als nötig.
- Entladeleistung nicht mit Einspeisegrenze verwechseln.
- Bei DC-gekoppelter PV die Entladegrenze nie auf 0 setzen.
- Jede Fernsteuerung braucht einen Watchdog, der auf die Grundeinstellung zurückfällt.